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Die Nacht hätte eigentlich nicht kälter sein sollen, als drei Grad und das hatten wir schonmal überstanden.
Wir hatten zwei Grad. Ich hab so gefroren, dass ich nicht eine Minute geschlafen habe. Irgendwann um 5 Uhr hab ich mir mein Kissen geschnappt und mich mit dem Kopf auf den Tisch in der Gemeinschaftsküche gelegt. Dort war es aber so hell, dass ich mich dann einen Raum weiter auf eine Liege gelegt hab, die da einfach so rumstand.

Dort habe ich sage und schreibe vier Stunden in meinen Klamotten geschlafen. Das einzig blöde war, dass man durch genau diesen Raum musste, um zur Damendusche und -toilette zu kommen. Natürlich wurde dann immer das Licht angelassen zu meinem Leiden.
Mit noch von der Nacht schmerzenden Muskeln ging es auf unsere Etappe, denn wir waren endlich mal wieder auf dem Fahrrad.
Gefahren sind wir die schönste Strecke bisher, auf der Straße „E10“ von Gällivare nach Svappavaara. Beide Orte sollte man auf der Karte finden können.
Die „E10“ ist übrigens ganz anders, als die „E4“ von der wir traumatisiert sind. Es ist eine ganz normale Landstraße, beide Richtungen meistens eine Spur.
Außerdem sehr sehr wenig Verkehr, teilweise waren wirklich keine Autos in sicht. Eine sehr angenehme Abwechslung.











Auf halber Strecke haben wir Rast gemacht und unsere Brötchen gegessen, die wir morgens geschmiert hatten.

Dann ging es weiter, die zweite Etappe. Das Fahren wurde zumindest für mich immer anstrengender. Mir hing bis zum Ende die letzte Nacht noch hinterher.
Trotzdem haben wir es sogar weiter als gedacht geschafft, wir sind ganze 80 km gefahren heute.
Und jetzt kam die Suche nach einer Unterkunft.
Wir waren vorbereitet, hatten online geschaut und bis zu einer Jugendherberge geplant. Vor Ort stellte sich heraus: Diese Herberge gibt es nicht. Es steht nur ein Schild, mit einer Telefonnummer, dort hört man eine schwedische Mailboxansage. Die Leute vor Ort meinten das Haus sei nur für Minenarbeiter.
Kein Problem, Google Maps sagt, es gibt noch ein Gästehaus. Vor Ort stellt sich auch hier raus: Nö, gibt es nicht. Die hinterlegte Nummer endete auch hier in der Mailbox.
Wir stehen also vor der Adresse, an der das Gästehaus hätte sein sollen, als der Nachbar von gegenüber auf uns zukam.
Ein älterer Schwede, der kein Englisch konnte. Er meinte zu mir, dass ich mit in sein Haus kommen sollte. Dort nahm er ein Notizblock und zeichnete mir eine Karte. Die Verständigung war sehr schwierig. Aber irgendwie hab ich verstanden, es gäbe einen Campingplatz mit Hütten, die man mieten kann scheinbar.

Wir dachten also „Puh, Glück gehabt“ und fahren der Karte nach, die uns der Schwede gezeichnet hat.
Ich stand dann auf einem Platz, auf dem aber nur Wohnwagen standen. An der einzigen Hütte hier hing ein Zettel mit einer Telefonnummer. Nochmal schwedische Mailbox.
Moritz hatte noch etwas anderes gesehen, wie sich herausstellte, hatte der Schwede uns hier her schicken wollen.
Wir sind also auf den anderen Platz, haben geklingelt und geklopft. Geöffnet hat uns aber niemand. Die Hütten standen dort, aber alle waren abgeschlossen und sahen verlassen aus.
Nach viel Überlegen sind wir auf den Wohnmobilstellplatz, dort haben wir uns jetzt in das Toilettenhäuschen einquartiert, nachdem die Bewohner (alles Dauercamper die hier leben) meinten, wir können das machen. Denn hier ist es warm und im Zelt würden wir wohl noch schlimmer frieren, als sonst schon.

Eine andere Option gab es nicht, das nächste Hotel wäre 30 km entgegen unserer Route gewesen.
Der Tag heute war also wirklich ganz und gar nicht gut.
Übrigens: Moritz hat nicht gefroren und auch keine Probleme mit dem Fahren heute. Immerhin etwas also.
Wir bringen dann mal diese spannende Nacht hinter uns.